Kommunalfinanzen Kreis und Städte fordern Hilfe vom Land

Haushaltssicherung soll künftig über 20 Jahre möglich sein

Hattingen/Ruhr. Die finanzielle Lage der Kommunen wird immer schwieriger. Deshalb fordern der Ennepe-Ruhr-Kreis und seine neun Städte in einem gemeinsamen Brief an NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach mehr Unterstützung vom Land. Ihr Vorschlag: Der Zeitraum für Haushaltssicherungskonzepte soll von zehn auf 20 Jahre verlängert werden. So sollen die Städte mehr Zeit bekommen, ihre Haushalte auszugleichen und notwendige Investitionen zu ermöglichen.

Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing erklärt: „Wir brauchen mehr Zeit, um unsere Haushalte zu stabilisieren und gleichzeitig unsere Städte lebenswert zu halten. Es darf nicht dazu kommen, dass notwendige Investitionen und wichtige Angebote für die Menschen vor Ort auf der Strecke bleiben.“

Wie groß die finanzielle Belastung ist, zeigen die Zahlen: Ende 2025 lagen die kurz- und langfristigen Schulden der Städte im Ennepe-Ruhr-Kreis bei mehr als 1,2 Milliarden Euro. Für 2026 rechnen die Städte insgesamt mit einem Defizit von rund 170 Millionen Euro. Für 2027 wird eine weitere Verschlechterung erwartet.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem die Kosten für soziale Leistungen, Personal und Bauprojekte sind gestiegen. Hinzu kommen Ausgaben für Aufgaben, für die die Kommunen nicht ausreichend Geld erhalten.

Auch Hattingen steht vor finanziellen Herausforderungen. Der aktuelle Doppelhaushalt reicht bis Ende 2027. Danach könnte auch Hattingen ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen müssen.

Kämmerer Frank Mielke betont: „Die Ausgaben steigen, und die finanziellen Spielräume werden immer kleiner. Mit einer längeren Frist könnten wir unsere Haushalte über einen größeren Zeitraum planen und damit eigene mittelfristig ausgelegte Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Finanzsituation einbeziehen."

Mit der Verlängerung auf 20 Jahre wollen Kreis und Städte verhindern, dass innerhalb kurzer Zeit besonders harte Einschnitte nötig werden. Denn wenn Geld fehlt, geraten auch freiwillige Angebote wie die Musikschule, die Stadtbibliothek oder die Schwimmbäder unter Druck. Gleichzeitig müssen Straßen, Gebäude und andere Teile der Infrastruktur erhalten und saniert werden.

Die Städte begrüßen, dass das Land die Kommunen bereits finanziell unterstützt. Aus ihrer Sicht reichen die bisherigen Maßnahmen aber nicht aus. Sie bitten die Ministerin deshalb, den Vorschlag zeitnah mit den kommunalen Spitzenverbänden zu beraten und weitere Hilfen zu prüfen.

Foto: (C) Stadt Hattingen

Bitte wählen Sie Ihre Cookie-Präferenzen: