Ein Jahr Bürgermeisterin in Hattingen

Interview mit Melanie Witte-Lonsing

Hattingen/Ruhr. Ein Jahr ist vergangen, seit Melanie Witte-Lonsing das Amt der Bürgermeisterin für Hattingen übernommen hat. Zeit für einen kleinen Rückblick: Was hat sie in diesem ersten Jahr bewegt, welche Begegnungen sind ihr besonders in Erinnerung geblieben und was hat sie sich für Hattingen vorgenommen? Darüber spricht Pressereferentin Susanne Wegemann mit der Verwaltungschefin und Vorsitzenden des Stadtrates.

Ankommen im Amt

Frau Bürgermeisterin, Ihr erstes Jahr im Amt liegt hinter Ihnen. Wenn Sie auf die vergangenen zwölf Monate zurückblicken: Was geht Ihnen als Erstes durch den Kopf? Welches Gefühl begleitet Sie?

MW-L: Ich bin hier gut angekommen, hatte viele spannende Begegnungen, neue Erfahrungen und große Herausforderungen. Es ist ein tolles Gefühl, in dieser wunderbaren Stadt etwas gestalten zu können.

Persönliche Erfahrungen

Was haben Sie in Ihrem ersten Jahr besonders positiv wahrgenommen?

MW-L: Den Teamgeist in der Verwaltung. Die Kolleginnen und Kollegen bringen sich engagiert ein, treiben gemeinsam mit mir Projekte voran und stehen mir mit ihren Erfahrungen und Fachkenntnissen verlässlich zur Seite.

Mir wurden viel Offenheit und Vertrauen entgegengebracht. Das ist nicht selbstverständlich.

Was hatten Sie sich einfacher vorgestellt?

MW-L: In meiner verfügbaren Zeit mehr unterzubringen. Der Terminkalender ist schneller randvoll, als ich erwartet habe.

Arbeitsschwerpunkte

Welche Themen und Projekte haben Ihre Arbeit im ersten Jahr besonders geprägt?

MW-L: Vor allem die Verbesserung der Infrastruktur. An unseren Straßen tut sich viel: an der Bahnhofstraße, am Parkplatz ZOB, in der Südstadt und in der Nordstadt. Auch der Büchsenschütz wird endlich angegangen.

Darüber hinaus bewegt sich viel im Bausektor – nicht nur durch städtische Maßnahmen wie neue Spielplätze und klimagerechte Flächenumgestaltungen. In den Wohnungsmarkt ist viel in Bewegung gekommen. Ich bin auch regelmäßig zu Richtfesten oder Grundsteinlegungen eingeladen.

Erreichtes

Was hat sich seit Ihrem Amtsantritt für die Menschen in unserer Stadt konkret verbessert? Wo sind erste Veränderungen sichtbar?

MW-L: In den Stadtteilen haben wir direkt zu Beginn meiner Amtszeit die Strukturen verändert. Die Mitarbeiter kümmern sich jetzt ortsteilbezogen um Sauberkeit und Grünpflege. Das kommt sehr gut an und wird weiter ausgebaut.

Auch beim Bürgerbüro sind wir vorangekommen: Die Mietverträge für das neue Objekt in der Heggerstraße sind unterschrieben, bald beginnt der Umbau. Am neuen Standort werden wir den Service für die Hattingerinnen und Hattinger deutlich verbessern.

Zudem haben wir die Abläufe im Bauordnungsamt umstrukturiert, damit Baugenehmigungen künftig schneller bearbeitet werden.

Herausforderungen und offene Aufgaben

Wo sind Sie bei der Umsetzung an Grenzen gestoßen, und welche Themen müssen noch vorangebracht werden?

MW-L: Die Unterbringung der Verwaltung muss an vielen Stellen dringend verändert werden für die Mitarbeitenden aber auch, um den Kundenservice zu verbessern.

Auch an den Sportanlagen ist viel zu tun. Das geht leider nicht so schnell, wie ich es mir wünsche. Dafür fehlen uns Personal und finanzielle Mittel. Dennoch treiben wir Projekte voran, beispielsweise den Bau eines neuen Hallenbades in Holthausen und setzen kleinere bauliche Modernisierungen um.

Verantwortung und Diplomatie

Als Bürgermeisterin müssen Sie unterschiedliche Interessen zusammenbringen. Gelingt Ihnen das?

MW-L: Mir ist wichtig, ins Gespräch zu kommen, Abläufe zu erklären und einen respektvollen Umgang miteinander zu pflegen. Bei individuellen Problemen muss ich abwägen und das Allgemeinwohl im Blick behalten – auch wenn eine Entscheidung meinem Gegenüber nicht gefällt.

Veränderungen

Was möchten Sie Menschen sagen, die sich mehr Veränderungen wünschen oder mit der Entwicklung ihrer Stadt unzufrieden sind?

MW-L: Viele Abläufe sind komplexer, als sie von außen erscheinen, und lassen sich deshalb nicht einfach verändern oder beschleunigen.

Die finanziellen Spielräume sind äußerst begrenzt. Wir versuchen daher, Fördermittel zu akquirieren, was uns an vielen Stellen gelungen ist. Ein Beispiel ist die Ruhrpromenade: Viele versierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Baudezernat haben daran gearbeitet, dass wir im Zusammenhang mit der IGA 7,5 Millionen Euro aus dem Landesprogramm für Nahmobilität bekommen. Das Fördermittelmanagement möchte ich unbedingt ausbauen.

Begegnungen

Gab es Begegnungen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

 MW-L: Da gibt es viele. Ich habe zahlreiche beeindruckende Menschen getroffen, insbesondere im ehrenamtlichen Bereich, aber auch darüber hinaus.

Bei meinen Unternehmensbesuchen bin ich immer wieder fasziniert, wie viel Innovationskraft es hier vor Ort gibt.

Eine ganz besondere Begegnung war natürlich die mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er hat eine tolle Stimmung nach Hattingen gebracht und mit seiner Präsenz dem Eindruck, dass Politik den Menschen nicht nah ist, wirklich etwas entgegengesetzt.

Wirtschaft

Sie sind auch für die Wirtschaftsförderung zuständig. Was ist Ihnen in diesem Bereich besonders wichtig?

MW-L: Die Entwicklung des ehemaligen O&K-Geländes steht ganz oben auf meiner Agenda. Dort muss sich dringend etwas bewegen.

Auch die Innenstadt hat für mich Priorität. Wo wir als Verwaltung etwas erreichen können, bleiben wir am Ball. Von neuen Ideen für den Wochenmarkt verspreche ich mir einen positiven Schub.

Die Ziele für das zweite Amtsjahr

Welche Themen werden Sie im kommenden Jahr besonders beschäftigen? Bei welchem Vorhaben möchten Sie entscheidend vorankommen?

MW-L: Mit der Feuerwache Nord geht es voran. Im nächsten Jahr möchte ich sowohl ihre Einweihung als auch die Eröffnung des neuen Bürgerbüros feiern.

Die IGA 2027 wird auch für uns ein großes Ereignis. Ich hoffe, dass viele Menschen zu uns kommen und sich beispielsweise den Gethmannschen Garten anschauen, der mit Hochdruck aufgewertet wird.

Wenn Sie einen Wunsch für die Zukunft unserer Stadt frei hätten: Welcher wäre das?

MW-L: Ich wünsche mir, finanziell so ausgestattet zu sein, dass wir wieder selbst entscheidungsfähig sind.

Außerdem hoffe ich, dass wir unsere Offenheit und Vielfalt bewahren und dies mit fantastischen Veranstaltungen wie dem CSD zeigen.

Persönlich gefragt

Was gibt Ihnen außerhalb des Rathauses Kraft und hilft Ihnen, den Kopf freizubekommen?

MW-L: Zeit mit Freunden und Familie.



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