Gleichstellungs- und Aktionsplan für Hattingen vorgestellt

„Gleichstellung stärkt Demokratie und schafft Chancen für alle“

Hattingen/Ruhr. Im Rat der Stadt Hattingen wurde der neue Gleichstellungs- und Aktionsplan von der Gleichstellungsbeauftragten Katrin Brüninghold vorgestellt. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt erläuterte die Ziele und Schwerpunkte des Plans und machte deutlich, warum Gleichstellung gerade in der heutigen Zeit eine zentrale Aufgabe kommunaler Politik und Verwaltung bleibt.

Der Gleichstellungs- und Aktionsplan war zuvor bereits im Personal- und Gleichstellungsausschuss ausführlich beraten und mit breiter Zustimmung zur Beschlussfassung empfohlen worden. Er bündelt zahlreiche Projekte und Maßnahmen, die in den kommenden vier Jahren umgesetzt werden sollen.

„Mit diesem Plan erfüllt die Stadt Hattingen nicht nur ihre gesetzlichen Verpflichtungen aus dem Landesgleichstellungsgesetz. Wir setzen damit auch den Verfassungsauftrag aus des Grundgesetzes um“, erklärte die Gleichstellungsbeauftragte in ihrer Vorstellung im Rat. Dort heißt es, dass der Staat die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördert und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirkt.

„Genau das ist unsere Aufgabe als Kommune. Nicht Gleichstellung zu verwalten, sondern sie dort voranzubringen, wo Menschen leben: in der Arbeitswelt, im öffentlichen Raum, in der Politik und im täglichen Zusammenleben“, betont Katrin Brüninghold.

Aktuelle Entwicklungen zeigen weiteren Handlungsbedarf

Der Gleichstellungs- und Aktionsplan basiert auf aktuellen Daten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen der Menschen vor Ort. Er greift weiterhin bestehende Ungleichheiten auf: Frauen übernehmen nach wie vor einen größeren Anteil der unbezahlten Sorgearbeit, arbeiten häufiger in Teilzeit, verdienen im Durchschnitt weniger und sind häufiger von Altersarmut betroffen. Auch geschlechtsspezifische Gewalt bleibt eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung.

„Gleichstellung bedeutet nicht, alle Menschen gleich zu machen. Es geht darum, Barrieren abzubauen, damit Geschlecht, Herkunft oder traditionelle Rollenbilder nicht über Chancen und Möglichkeiten entscheiden“, so die Gleichstellungsbeauftragte.

Vier Handlungsfelder für mehr Gleichstellung in Hattingen

Der Plan konzentriert sich auf vier zentrale Handlungsfelder:

1. Politische Teilhabe und Sichtbarkeit

Die Stadt Hattingen möchte mehr Frauen für kommunalpolitisches Engagement gewinnen und politische Beteiligung niedrigschwelliger ermöglichen. Ein Beispiel ist das neue Veranstaltungsformat „Popcorn und Politik“, das Politik verständlich und zugänglich erlebbar machen soll. Zudem soll eine familienfreundlichere Sitzungskultur dazu beitragen, politische Arbeit besser mit familiären Verpflichtungen zu vereinbaren.

2. Faire Arbeitsbedingungen und Vielfalt

Als Arbeitgeberin setzt die Stadt Hattingen Maßnahmen um, um Frauen auf ihrem Weg in Führungspositionen gezielt zu unterstützen. Dazu gehört unter anderem die Workshop-Reihe „Frauen und Führung“. Gleichzeitig werden Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung weiterentwickelt und eine diskriminierungsfreie Arbeitskultur gestärkt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung aktiver Vaterschaft. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei keine Aufgabe, die allein Frauen betreffe, sondern eine gemeinsame Verantwortung.

3. Beratung, Bildung und Prävention

Ein wichtiger Bestandteil des Plans ist der Schutz und die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Mit dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt und dem Projekt KoRA werden Hilfsangebote für gewaltbetroffene Frauen weiterentwickelt.

Darüber hinaus sollen Projekte wie Girls’Day und Boys’Day dazu beitragen, Rollenklischees aufzubrechen und jungen Menschen vielfältige berufliche Perspektiven zu eröffnen. Auch Alleinerziehende sowie Frauen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, sollen stärker unterstützt werden.

4. Geschlechtergerechte Stadtentwicklung

Gleichstellung findet auch im öffentlichen Raum statt. Deshalb setzt der Plan auf eine geschlechtergerechte Stadtentwicklung, unter anderem durch die Identifikation von Angsträumen und Verbesserungen bei der Beleuchtung öffentlicher Bereiche. Ziel ist es, dass sich alle Menschen sicher bewegen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

„Gleichstellung ist eine gemeinsame Aufgabe unserer Stadt“

Zum Abschluss der Vorstellung warb die Gleichstellungsbeauftragte dafür, Gleichstellung nicht als abgeschlossenes Thema zu betrachten.

„Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir Gleichstellung heute noch brauchen. Die entscheidende Frage ist: Können wir es uns leisten, darauf zu verzichten? Eine Stadt nutzt ihr Potenzial nur dann vollständig, wenn alle Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können.“

Mit dem Gleichstellungs- und Aktionsplan schafft die Stadt Hattingen einen strategischen Rahmen für konkrete Maßnahmen und macht Gleichstellung zu einer gemeinsamen Aufgabe von Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft.

„Wer die tatsächliche Gleichberechtigung stärkt, stärkt unsere Demokratie“, fasste die Gleichstellungsbeauftragte zusammen.



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