Präventionsprojekt
der Beratungsstelle sensibilisiert Fünftklässler für sexualisierte
Gewalt
Hattingen/Ruhr.
In dieser Woche geht der Unterricht wieder an den Hattinger Schulen los.
Vor den Sommerferien stand für die Schülerinnen und Schüler der
fünften Klassen der Realschule Grünstraße und der Gesamtschule
Hattingen noch ein besonders wichtiges Thema auf dem Stundenplan: Im
Rahmen des bundesweiten Präventionsprojekts „Trau
dich! Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs“ beschäftigten sie sich mit ihren persönlichen Grenzen, Gefühlen,
guten und schlechten Geheimnissen und der Frage, an wen sie sich
wenden können, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt.
Initiiert
wurde das Projekt von der städtischen Beratungsstelle
für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Hattingen.Beraterin Jennifer Mecking, deren Schwerpunkt bei
der
Beratung zu sexualisierter
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche liegt,
war mit der Idee auf die Schulen zugegangen, Kinder bereits
frühzeitig und altersgerecht für das Thema sexualisierte Gewalt zu
sensibilisieren. „Uns war es
wichtig, die Kinder nicht mit Angst an das Thema heranzuführen.
Stattdessen wollten wir ihnen spielerisch vermitteln: Mein Körper
gehört mir, meine Gefühle sind wichtig und ich darf mir Hilfe
holen“, erklärt Jennifer Mecking.
Dass die Auseinandersetzung mit dem Thema auch auf spielerische Weise
gelingen kann, zeigte sich schnell während der Projekttage. So
beschäftigten sich die Kinder beispielsweise mit der Frage, woran
man ein gutes oder ein schlechtes Geheimnis erkennt. Grüne und rote
Wäscheklammern halfen dabei, Situationen einzuordnen. Auch das
eigene Bauchgefühl spielte eine wichtige Rolle: Wie fühlt sich
etwas an, wenn es einem gut geht, und wie, wenn sich eine Situation
unangenehm oder falsch anfühlt? Auch Gefühle und die Wahrnehmung
anderer standen auf dem Programm. In verschiedenen Spielen ging es
darum, Gefühle zu erkennen und selbst deutlich zu zeigen. „Das ist
gar nicht so leicht“, stellte eine Schülerin dabei fest. Die
Kinder lernten außerdem, dass es unterschiedliche Vertrauenspersonen
gibt, an die sie sich wenden können.
Ein
weiterer Baustein
des Projekts war der Umgang mit Situationen in
der digitalen Welt.
Gemeinsam wurde besprochen, was Kinder tun können, wenn sie
beispielsweise ungefragt mit Nacktbildern konfrontiert werden oder
ein Bild im Klassenchat weitergeleitet wird. Denn sexualisierte
Gewalt kann Kindern und Jugendlichen auch über soziale Medien oder
Online-Spiele begegnen. „Sexualisierte
Gewalt, egal in welcher Form, zu erleben, belastet Kinder und
Jugendliche“,
betont Faiz Gesche, Klassenlehrerin der 5a an der Gesamtschule
Hattingen. „Umso wichtiger ist
es, Kinder darin zu bestärken, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und
sich Unterstützung zu holen“, so
die Lehrerin. Eine Schülerin
zog nach dem Projekttag ebenfalls ein positives Fazit: „Die Spiele
waren super und man konnte eigene Erlebnisse einfach rauslassen.“
Das
Präventionsprojekt „Ich
trau mich“ wurde
im vergangenen Schuljahr mit den Klassen 5a bis 5d der Realschule
Grünstraße sowie den Klassen 5a bis 5e der Gesamtschule Hattingen
durchgeführt. Es knüpft dabei auch an Inhalte an, die viele Kinder
bereits aus der Grundschule kennen, etwa die Botschaft „Mein
Körper gehört mir“.
Dabei richtet sich das Angebot der Beratungsstelle nicht nur an
Kinder und Jugendliche, die bereits sexualisierte Gewalt erlebt
haben. Auch Eltern
können sich frühzeitig beraten lassen,
beispielsweise bei der Frage, wie sie mit ihren Kindern über
sexualisierte Gewalt sprechen können, ohne ihnen Angst zu machen,
oder wenn sie unsicher sind, wie sie mit einem möglichen Verdacht
umgehen sollen.
Die
Beratungsstelle bei
sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche „Die
Sonnenblume“
befindet sich in der
Bahnhofstraße 51 und bietet
Beratung kostenlos
und auf Wunsch anonym
an. Neben der Beratung von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen
und Familien gehören unter anderem pädagogisch-therapeutische
Angebote, Krisenintervention, Präventionsangebote, Elternabende
sowie die Schulung und Beratung von Fachkräften zum Angebot. Das
städtische Angebot ist kostenlos. Das
bundesweite
Präventionsprojekt „Trau
dich! Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs“
wird
gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren,
Frauen und Jugend sowie dem Bundesinstitut für Öffentliche
Gesundheit.
Fotos: (C) Stadt Hattingen