100 Tage im Amt

Bürgermeisterin zieht erstes Fazit

Hattingen/Ruhr. Voller Terminkalender, viele Themen, neue Projekte ...

Melanie Witte-Lonsing ist am 8. Februar 2026 hundert Tage Bürgermeisterin der Stadt Hattingen. Damit ist sie Chefin von rund 1000 Mitarbeitenden der Verwaltung und Vorsitzende des Stadtrates.

Als SPD und Grünen-Kandidatin ist sie bei der Kommunalwahl Ende September 2025 zur Ersten Bürgerin der Stadt gewählt worden. Nun ist es Zeit für eine Bilanz.

Pressesprecherin Susanne Wegemann hat Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing zu ihrem Start, ihren neue Aufgabe, ihren Eindrücken und ihren ersten Erfahrungen interviewt.

Ankommen im Amt & persönliche Erfahrung

SW: Wie wurden sie empfangen?

MW-L:Von allen Seiten: Freundlich, unterstützend, mit viel Teamgeist.


SW: Es gibt viele Vorurteile gegenüber Behörden. Was war anders als angenommen?

MW-L: Der Wille der Beschäftigten etwas verändern zu wollen. Viele Kolleg*innen haben sich selbst dazu bereits Gedanken gemacht. In vielen Gesprächen spüre ich eine Aufbruchstimmung.


SW: Was waren die Hauptaufgaben, mit denen Sie sich in den ersten 100 Tagen beschäftigt haben?

MW-L: Es gab viel Organisatorisches zu erledigen und zahlreiche Abstimmungen mit meinen engsten Mitarbeiter*innen wie meiner Kollegin im Vorzimmer oder dem Verwaltungsvorstand.

Aber es ging auch darum neben dem Tagesgeschäft, die Teams der Verwaltung persönlich kennenzulernen und erste Veränderungsprozesse anzustoßen.

Ich bin sehr froh, dass ich direkt im November Gelegenheit hatte, mich und meine Ziele im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung den Kolleg*innen persönlich vorstellen zu können.


SW: Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden?

MW-L:Sehr konstruktiv und offen. Sie sind interessiert und aufgeschlossen neue Wege zu gehen. Die Kommunikation zwischen den Teams muss in einigen Bereichen verbessert werden.

SW: Wo sehen Sie innerhalb der Verwaltung den größten Handlungsbedarf?

MW-L: Ich halte es für wichtig, eine Strategie zur Entwicklung der Verwaltung auszuarbeiten. Viele Mitarbeitende gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Wir müssen uns Gedanken dazu machen: Wie fangen wir das auf? Wie werden wir das Wissen weitergeben? Wie stellen wir uns sicher, effizient und zukunftsorientiert technisch auf? Wie werden wir als Arbeitgeberin noch attraktiver, um im Wettbewerb zu bestehen.

Da sind wir schon auf einem guten Weg. Wir werden 2027 weitere Azubi Stellen ausschreiben und hoffentlich auch besetzen, damit beschäftigen wir so viele Auszubildende wie nie zuvor.


SW: Was ist das für ein Gefühl plötzlich Chefin von 1000 Mitarbeitenden zu sein?

MW-L: Sehr abstrakt, auch weil ich nicht alle Mitarbeitenden auf einmal sehe. Sie sind verteilt auf mehrere Standorte. 1000 Menschen, das sind wirklich viele und es gibt so unterschiedliche Tätigkeitsbereiche, Berufe und Qualifikationen.


S.W: Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil ?

MW-L:Zuhören, sachlich diskutieren, klar entscheiden.

SW: Gab es einen Moment, in dem Sie dachten: „Jetzt bin ich wirklich Bürgermeisterin“?

MW-L:Die Vorstellung war in den Tagen nach der Stichwahl in der Tat noch sehr unwirklich. Das hat sich nach den ersten zwei Arbeitstagen aber schnell gelegt.

Heute überkommt mich noch gelegentlich dieses Gefühl, wenn ich bei öffentlichen Terminen bemerke, welchen Stellenwert die Anwesenheit der Bürgermeisterin für viele Menschen hat.

Projekte und Politik

SW: Sie waren selbst 30 Jahre Mitglied des Stadtrats – hilft diese Erfahrung? 

MW-L:Diese Erfahrung ist definitiv eine große Hilfe. Ich kenne die meisten der zuständigen Ansprechpartner in der Verwaltung. Ich kenne aber gerade auch die Akteure unserer Stadtgesellschaft. Und genauso wichtig: aus meiner langjährigen Erfahrung kenne ich bei den wichtigen Themen auch die Historie und die zugrundeliegenden politischen Hintergründe und Entscheidungen.

SW: Was ist eine der dringendsten Aufgaben für Hattingen in den nächsten Jahren?

MW-L: Wir müssen eine Strategie dazu entwickeln, wie das Hattingen von morgen aussehen soll.


SW: Gibt es schon Themen, die Sie angegangen sind oder die kurzfristig auf Ihrer Agenda stehen?

MW-L: Sportförderung: Wir werden an weiteren Sportförderprojekten teilnehmen. Ich werde versuchen, die Ertüchtigung der Sportanlage Marxstraße über Zuschüsse finanziert zu bekommen.

Wohnen: Wir müssen im Bereich Wohnen mehr tun, die Bedarfe klären und Potenziale ausschöpfen. Der Wohnungsmarkt muss verändert werden. Dazu habe ich das Aktionsbündnis Wohnen wieder aktiviert und ein erstes, sehr konstruktives Treffen mit den Akteuren der Wohnbranche vor Ort hat bereits stattgefunden.

Flächen weiterentwickeln: Ich habe bereits und werde weitere Gespräche mit Investoren aufnehmen, um Standorte weiterzuentwickeln – insbesondere da, wo es nicht so gut läuft, wo Projekte zum Stillstand gekommen sind oder es zumindest den Anschein hat.

Familien: In diesem Jahr werden einige Spielflächen neu gestaltet, fertiggestellt. Ich werde schauen, wo wir in dem Bereich noch mehr machen können.

Bildung: Für die Schulen schaffen wir 1400 iPads an.

Sicherheit/Innenstadt: Ich möchte den Kommunalen Ordnungsdienst verstärken, damit unsere Mitarbeitenden insbesondere in der Innenstadt präsenter sind und die Menschen sich sicherer fühlen.

Wochenmarkt: Ich möchte den Wochenmarkt attraktiver gestalten.

Wirtschaftsförderung: Hattingen muss sich auch als Wirtschaftsstandort weiterentwickeln im Bereich Gewerbe, Dienstleistung und Handel. Hierzu hatte ich bereits erste Gespräche mit Hattinger Unternehmer*innen und verschiedenen Investoren. Weitere Gespräche stehen an.

Marketing/Tourismus: Hier sollten wir unser Potential noch besser nutzen. Gemeinsam mit den Akteuren aus Handel und, Gastronomie gilt es Hattingen als Marke weiter zu stärken. Die Gespräche dazu mit dem Stadtmarketingverein habe ich begonnen.


SW: Was steht in diesem Jahr an besonderen Projekten auf der Agenda?

MW-L: Feuerwache Nord

IGA Projekte voranbringen: Der Radwegausbau unterhalb der Isenburg startet bald. Da haben wir bereits eine Förderung und wir sind zuversichtlich, dass auch die Mittel für die Brücke fließen. Ich werde mich dazu mit meinen Möglichkeiten einbringen und unterstützen.

Die Bahnhofstraße wird in diesem Jahr Fahrt aufnehmen.

Das Holschentor wird 10 Jahre alt. Das möchte ich zum Anlass nehmen und das Ehrenamt weiter stärken.

Wir planen den Umzug des Bürgerbüros in die obere Heggerstraße. Serviceleistungen finden dann in einer zeitgemäßen Umgebung statt. Das Büro ist gut erreichbar, Parkplätze für schwerbehinderte Menschen sind am Haus, und der Standort wird Frequenz in die obere Heggerstraße bringen.

SW: Viele Projekte haben Sie als Politikerin mit Ihrer Fraktion selbst angestoßen. Wie ist das jetzt auf der anderen Seite zu sitzen und an der Realisierung zu arbeiten?

MW-L: Das war einer der Gründe für meine Kandidatur: Der Wunsch, die vielen guten Ideen, die wir in der Politik in den letzten Jahren erarbeitet haben, auch umzusetzen.

Mit dem geplanten Umzug des Bürgerbüros in die Innenstadt setzen wir einen ersten Punkt des Liegenschaftskonzepts um, das die SPD-Fraktion unter meiner Leitung im Jahr 2023 erarbeitet hat.


Bürgernähe & Kommunikation

SW: Wer spricht Sie häufiger an: Menschen mit großen Visionen oder mit ganz konkreten Alltagsproblemen?

MW-L:Ganz eindeutig melden sich die meisten mit persönlichen Anliegen, die das eigene unmittelbare Umfeld betreffen. Da ist es schön, wenn wir dann auch kurzfristig pragmatische Lösungen finden.


SW: Was sind die häufigsten Anregungen?

MW-L: Meist sind es konkrete Dinge aus dem persönlichen Umfeld, die Stadtsauberkeit und Bauangelegenheiten betreffen. Im Bereich Stadtsauberkeit verfolge ich ja bereits das Thema „Stadtteilkümmerer“, so dass ich davon ausgehe, dass diese Anliegen zukünftig direkt vor Ort erledigt werden können.


SW: Wie soll die Kommunikation mit Bürger*innen zukünftig aussehen?

MW-L: Ich werde Bürgersprechstunden zu festen Zeiten anbieten. Damit sind wir Anfang Februar gestartet. Alle Daten dazu werden auf unserer Homepage veröffentlicht.

Außerdem möchte ich in die Ortsteile gehen und das nicht nur sinnbildlich. Ich möchte Spaziergänge durch die Ortsteile anbieten. Die Bürger*innen können dazustoßen und mich begleiten und dabei Probleme ansprechen oder Anregungen geben.


Persönlich

SW: Wie hat sich Ihr Alltag verändert?

MW-L:Termine, Termine, Termine

Innerhalb kürzester Zeit war der zunächst fast leere Bürgermeisterinnen-Kalender für die nächsten Wochen gefüllt. Viele Menschen möchten mich kennenlernen und ich selbst möchte natürlich auch Beziehungen zu Mitarbeitenden, Behörden und Kolleg*innen aufbauen. Im Vergleich zu früher ist mein Arbeitsalltag durch die Fülle an Terminen überwiegend fremdbestimmt.

Hinzu kommen die vielen öffentlichen Auftritte, die ich auch in meiner Zeit als Fraktionsvorsitzende nicht in dieser Form hatte.


SW: Ihr persönliches Fazit nach 100 Tagen?

MW-L: Die Arbeit mach mir Spaß!








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