Zwangsarbeit im "Dritten Reich": Stadtarchivar Thomas Weiß informiert im niederländischen Ulft über Schicksal der Väter


Stadtarchivar Thomas Weiß, „Bufdi“ Joshua Crell und Auszubildende Marlene Klutzny vor der Eisengießerstatue im niederländischen Ulft.


Das Schicksal ihrer Väter, Großväter, Onkel im 2. Weltkrieg lässt Einwohner des Städtchens Ulft unweit der Grenze bei Arnheim nicht los. Am 23. Januar 2019 sprach Hattingens Stadtarchivar Thomas Weiß auf Einladung des Heimatvereins im niederländischen Ulft über „Holländische Zwangsarbeiter auf der Henrichshütte 1942-1945“.

Der Kontakt war vor etwa zwei Jahren durch Willem Beijer, dessen Vater ab 1942 auf der Henrichshütte Zwangsarbeit leisten musste, zustande gekommen. Nachforschungen im Stadtarchiv Hattingen ergaben, dass mindestens 102 niederländische Arbeiter aus Gendringen, Silvolde und Ulft (heute Gemeinde Gendringen) in den Jahren 1942-1945 zur Arbeit auf der Henrichshütte zwangsverpflichtet waren. So war es auch nicht verwunderlich, dass über 50 Zuhörer über diese bislang in den Niederlanden eher unbekannte Geschichte der Zwangsarbeit ihrer Vorfahren erfahren wollten.
"Inzwischen haben mich schon einige Rückmeldungen und Nachfragen erreicht. Mein Referat dort hat sicher viele Erinnerungen geweckt und Fragen nach dem Schicksal von Verwandten erzeugt", berichtet Thomas Weiß.


Bei seinem Besuch wurden weitere Nachforschungen zur gemeinsamen Vergangenheit vereinbart, zumal in Ulft die Eisengießerei DRU mit etwa 1.800 Beschäftigten bestand. Deren Geschichte wird ähnlich wie in Hattingen in einem Industriemuseum aufgearbeitet. Peter van Toor aus Ulft hatte als Vertreter des „Nederlands Ijsermuseums“ vor Jahren sogar das Industriemuseum Henrichshütte besucht, ohne sich damals jedoch der weitreichenden gemeinsamen Geschichte im Klaren zu sein. Ein erneuter Besuch in Hattingen von Mitgliedern des Gendringer Heimatvereins ist daher fest vorgesehen. Stadtarchivar Thomas Weiß freut sich jedenfalls auf eine fruchtbare internationale Kooperation.

 

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